Woche 3

Neulich hing hier daheim ein bisschen der Haussegen schief. Familienkoller. Mein Mann und ich gehen jeden Tag spazieren und unterhalten uns angeregt dabei. An diesem Tag nicht. Da waren wir zwar gemeinsam unterwegs, aber auch irgendwie jeder für sich. Wir gingen eine Stunde neben- oder hintereinander her und hingen beide einfach nur unseren Gedanken nach.

In aller Überforderung meines täglichen Pensums kam mir der Gedanke, dass ich es echt mutig fände, weniger zu tun. Aus diesem Getriebensein herauskommen. Herumstromern. Für mich sein. Stille. Das hat mir in den vergangenen Tagen der Fastenzeit noch etwas gefehlt.

Im Buch “Formbewusstsein. Eine kleine Vernetzung der alltäglichen Dinge” schreibt Frank Berzbach: “Das Fasten ist eine spirituelle Übung, die uns über den äußeren Verzicht innerlich befreit. (…) Die christliche Idee des Fastens bezieht sich keineswegs nur auf das Essen – sie ist universeller gedacht und lässt sich variieren. (…) Das Fasten ist sehr gut geeignet, um das Verhältnis zu den Dingen zu erkunden.” 

Ich habe hier einen alten Fastenzeitkalender von Anselm Grün aus dem Jahre 2011. Den habe ich in einem Büchertauschregal gefunden, und er begleitet mich durch diese 40 Tage. Am Samstag stand etwas zum Thema Stille darin, was mich sehr angerührt hat.

Stille

 

“Was wächst, macht nicht viel Lärm.”

Die Stille ist der mütterliche Raum, in dem ein Mensch immer wieder neu geboren werden will. (…) Gott kann in uns nur geboren werden, wenn es in uns still wird.”

Auch Ghislana hat mir direkt nach unserem ersten Treffen einen Text zu Stille geschickt mit der Frage, ob nicht auch daraus Mut wachsen kann.

Mut-Fragen

Hier sind Mut-Fragen zum Hineinfühlen, Nachdenken, Aufschreiben und  Wirkenlassen.

Wie fühlt sich Mut an? Hat Mut eine Farbe, einen Geruch, Geschmack, eine Form? Was brauchst du, damit du dich mutig fühlst? (Von dir, von anderen, von Gott?) Woraus kann Mut wachsen?

Im Artjournal: Schrift als Hintergrundtextur

Notizen aus unserem dritten Treffen

Unsere Fühlen und Erleben zeigt sich im Körper. Ebenso können wir durch unsere Körperhaltung eine seelische Haltung einüben. Im Fastenzeitkalender von 2011 schreibt Anselm Grün:

“Die Verwandlung des Leibes ist nicht nur ein äußeres Ändern der Körperhaltung, sondern deutet eine innere Wandlung an. Ja, durch eine andere Haltung im Leip kann ich eine seelische Haltung einüben. Wenn ich mich gut hinstelle, die Füße etwa in Hüftbreite auseinander, mit lockeren Schultern, den Mittelpunkt im Hara*, dann wächst in mir Vertrauen. Der Leib ist Barometer, der anzeigt, wie es in mir aussieht. Er ist zugleich aber auch ein Instrument der Selbstwerdung, Organ, das meine innere Haltung verändern und mich selbst verwandeln kann.”

*Hara ist ein Begriff aus der traditionellen japanischen Medizin und in der Tradition der japanischen Kampfkünste. Es bezeichnet die Körpermitte, den Bereich um den Bauchnabel herum. 

So sah mein Schreibtisch nach unserem Treffen aus 🙂
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